Schweinsdorf

Den besten Hinweis auf das Alter des Ortes gibt uns sein Name mit der Endung –>dorf. So treten nach der zweiten fränkischen Landnahme (karolingischer Vorstoß in das Keuperland) unter anderem häufig Ortsnamen mit den Endungen –>dorf auf. Schweinsdorf dürfte mit ziemlicher Sicherheit als grundherrlicher Ausbauort von Gattenhofen, seinem nachweisbaren kirchlichen Mutterort, angelegt worden sein.

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 Die Gründung des Ortes ist sehr wahrscheinlich auf die bereits erwähnte zweite Landnahme der Franken an der Wende des 8. zum 9. Jahrhundert zurückzuführen.
Für die Platzwahl bot sich die Stelle am Fuß der Frankenhöhe an, von der aus bereits eine Altstraße zum sog. „Wald“ hinaufführte.

„Diese Steige bei Schweinsdorf ist als ascensus confinii in Swinsdorf (=Steige der Mark Schweinsdorf) neben der ‚Roten Steige‘ (ascensus rubens) bei Neusitz zum ersten Mal 1265 urkundlich erwähnt. Der Durchgangsverkehr von der altbesiedelten Gaulandschaft zum oberen Altmühltal und zum Rezatgrund gab den neuen Orten an der Zufahrtsstraße eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung. Am Fuß einer steilen Auffahrt musste bei den Wegverhältnissen des Mittelalters ein Vorspann für die Lastwagen der Kaufleute und für sonstige Fuhrwerke bereitstehen. So wurde der Ort vornehmlich als Vorspannort gegründet. Wir haben hier am Anfang an eine Herberge, das heißt ein Gasthaus als Raststätte, einen größeren Hof für die erforderlichen Pferde- und Zugochsenhaltung, vielleicht auch eine Schmiede und einige kleine Anwesen zu denken.“

Eine wichtige Altstraße führte in früher Zeit von Gattenhofen nach Schweinsdorf. Weil sie hauptsächlich von den Geistlichen aus Gattenhofen benutzt wurde, solange diese von dort aus ihre Tochterkirche in Schweinsdorf zu versorgen hatten, heißt die teilweise als Feldweg erhaltene Verbindung zwischen den beiden Orten bis heute im Volksmund „Pfaffenweg“ oder auch „Herrenweg“. Dort, wo der Weg den überschwemmungsgefährdeten Wiesengrund, zwischen dem Dorf und der Bahnhaltestelle überqueren muss, stieß man schon zweimal in einer Tiefe von zirka 60 Zentimetern unter dem heutigen Straßenkörper auf eine Art Pflasterung. Ihre tiefe Lage lässt darauf schließen, dass die Steine schon in sehr früher Zeit eingebracht worden sein müssen, um auch in niederschlagsreichen Zeiten den Verkehr zu ermöglichen. Vielleicht genau so alt ist eine ehemalige Wegverbindung von Detwang her,

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die in ihrer westlichen Hälfte kaum noch als ein früherer Weg zu erkennen ist, auf Schweinsdorf zu jedoch als Straße weiterbesteht. Denn nach der Rechtskurve, von der ab sie früher in genau westlicher Richtung nach Detwang verlief, führt die Straße längst nach Rothenburg. Bezeichnenderweise heißt dieses Teilstück immer noch „Neue Straße“. Neben diesen beiden „Hauptstraßen“ führte noch die untergeordneten Ortsverbindungswege von Steinsfeld und von Neusitz her nach Schweinsdorf, wo sie am westlichen Ortseingang zusammentrafen. Beim Verlassen des Ortes in Richtung Linden verlief die Straße ursprünglich anders als heute. Dem kundigen Auge verraten Fahrrinnen in der Landschaft und noch alte Spuren erst links, dann rechts der heutigen Straße, dass damals der Weg von der Kirche ab zunächst genau nach Osten und dann über die Schafscheune zur Steige führte.
W. Dannheimer schreibt darüber: „Der alte Aufstieg war weit nicht so steil wie der jetzige, und es ist bemerkenswert, dass man bei einer vor zirka 30 Jahren (also zwischen 1920 und 1925, der Verf.) geplanten, aber nicht durchgeführten Straßenverlegung daran dachte, den mittelalterlichen Weg wieder auszubauen un den erst im letzten oder vorletzten Jahrhundert angelegten Anstieg wieder aufzugeben.“ Erst später benutzte man die Straßenführung, die noch im Ort nach Norden abzweigt, beim Schulhaus einen Wiesengrund auf einem Damm überquert, der vielfach Schichten älterer Straßenbeläge bis zu zwei Metern Tiefe aufweist und sich erst danach in einem scharfen Bogen nach Osten wendet, um von der Hut aus den steilen Anstieg zum Staatswald in Höhe von nahe 500 Metern zu überwinden. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte hier, 200 Meter südlich der Straße nach Linden, in der Staatswaldabteilung „Wehrklause“, auf einem Plateauvorsprung, ein Wachtturm gestanden sein. Jedenfalls deuten die Forschungsergebnisse von H. Dannheimer mit ziemmlicher Sicherheit darauf hin, dass es sich hier bei der Anlage um Überreste eine frühmittelalterlichen Turmhügels handelt, auch wenn, wie andernorts meist der Fall, kein Flurname daran erinnert.
Im 30-jährigen Krieg sind in der Dehnerschen Chronik massive Truppendurchzüge über die Schweinsdorfer Steige belegt. Um 1982 wurde im Zuge des Autobahnbaus die alte Trasse durch eine neue ersetzt.


Quelle: „Neusitz – Chronik eines fränkischen Dorfes“
Bearbeitung: Markus Weinmann

Bei der Suche nach einer Deutung des Ortsnamens ist es nahe liegend, dass man ihn unwillkürlich mit dem Tiernamen „Schwein“ in Verbindung bringt. Diese Vermutung wird nach Wilhelm Dannheimer durch einen Passus in der Gründungsnotiz der Pfarrei Detwang aus dem Jahre 968 erhärtet. Darin wird der heutige „Schweinsbach“, der Schweinsdorf durchfließt, als „Subach“ bezeichnet. Da der Wortstamm im Mittelhochdeutschen „Sau“ bedeutet, könnte man daraus „Saubach“ ableiten.
Moßner schenkt dieser Erklärung jedoch keinen Glauben. Er führt diese Schreibweise vielmehr auf einen Lese- oder Abschreibefehler zurück und könnte sich „Seebach“ eher als Namensgeber vorstellen, da Schweinsdorf früher von fünf Seen umgeben war: neben dem heute noch bestehenden Großen und Kleinen Lindleinsee, dem eingegangenen Bauernsee, dem See am Seehäusl und dem Gartensee, der wohl im Brühl gelegen war.
Bei einer solchen Vielzahl von Seen dürfte der von Ost nach West sich hinziehende Bachlauf mit größerer Wahrscheinlichkeit „Seebach“ statt „Subach“ geheißen haben.

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Unterstützung findet diese Theorie durch die alte Schreibweise „sewtorff“ für Schweinsdorf, die Schattenmann in einer Urkunde Kaiser Lothars II. aus dem Jahre 1128 gefunden hat.
„Ist nun mit sewtorff unser heutiges Schweinsdorf gemeint, dann würde sich dieser Ortsname vom Stamm sew, althochdeutsch sèo = See herleiten. Schweinsdorf würde also ursprünglich Seedorf heißen.“
Unter der Voraussetzung also, dass uns obige Urkunde getreu wiedergegeben wurde, möchten wir aus geschichtlichen und uch aus landschaftlichen Gründen der Deutung
Schweinsdorf = Seedorf vor der anderen Swinsdorf = Hirtendorf den Vorzug geben.
Diese Schreibweise taucht zum ersten Male 1249 auf. Die Rothenburger Urkunden verzeichnen die Formen:
Swinsdorf 1333 (Urk. Nr. 4312), Schweinstdorf zum ersten Mal 1377 (Urk. Nr. 142) und im Jahre 1408 Schweinsdorf (Urk. Nr. 181).
Bis 1500 überwiegt die Form Swinsdorf, 16 Mal vorkommend – die Form Schweinsdorf, zehnmal gebraucht. Abschließend darf festgestellt werden, dass die Namensentwicklung sewtorff -> Seedorf -> Schweinsdorf am überzeugendsten erscheint.

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Quelle: „Neusitz – Chronik eines fränkischen Dorfes“
Bearbeitung: Markus Weinmann

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Der Ortsteil Schweinsdorf ist der Nördlichste innerhalb der Gemeinde. Er liegt im Gegensatz zu allen anderen Ortsteilen westlich von der Bundesautobahn A7 und ist der zweitgrößte Ortsteil. Wie auch in Neusitz profitieren die Schweinsdorfer Anwohner von der kurzen Distanz zur Stadt Rothenburg ob der Tauber. Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, gesundheitliche Ganzversorgung und vieles mehr liegen im Umkreis von 3-5 Kilometern.

Des Weiteren ist Schweinsdorf an das Bahnnetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Die Haltestelle liegt zwischen der Endstation Rothenburg ob der Tauber und dem Schienen-Knotenpunkt Steinach (b. Rothenburg o. d. T.). Der Zug fährt in der Regel stündlich in beide Richtungen und bietet den Bürgerinnen & Bürger ein zusätzliches Angebot der Personenbeförderung.

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Der Altort ist von einigen fränkischen Fachwerkhäusern geprägt. So wurden in den letzten Jahren alte Bauernhäuser liebevoll her gerichtet und renoviert, welche sich besonders schön in das Dorfbild integrieren. Als größter Erfolg ist hier die Vermittlung des baugeschichtlich besonders wertvollen „Pfarrer-Mayer-Hauses“ zu verzeichnen. Das unter Denkmalschutz stehende Anwesen ist über viele Jahrzehnte unbewohnt gewesen und demnach zu einer Bauruine verfallen. Eine junge Familie aus Rothenburg führt aktuell die Sanierungsarbeiten durch. Dieses Projekt ist ein weiterer Schritt zur Reaktivierung des Ortskerns.

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Kennzeichnend für Schweinsdorf ist die intakte Dorfgemeinschaft, welche besonders auf den Zusammenhalt der Bürgerinnen & Bürger aller Altersspektren zurückzuführen ist. Veranstaltungen & Feste der ansässigen Vereine tragen dazu bei. So wird beispielsweise das seit 1984 jährlich stattfindende Maibaumaufstellen schon immer von der Jugend ausgetragen.

 

 

 

 

 


Text: Markus Weinmann